ein Beitrag von Tina Rudert
Markus Palta ist ein Familienmensch. „Wir brennen für das Thema Familie“, sagt der 58-Jährige aus Hamm in Westfalen von sich und seiner Frau Ute, spricht von einer „Leidenschaft für Familie“ und davon, dass sie die auch gerne weitergeben möchten. Das Familienwochenende der Fokolar-Bewegung über die Pfingsttage in der Heimvolkshochschule Stapelfeld ist deshalb fester Bestandteil ihres Jahreskalenders, und das seit mehr als 20 Jahren. „Sechs Wochen nach der Geburt unseres dritten Kindes sind wir zum ersten Mal dabei gewesen.“ Nur eine Zwangspause wegen Corona unterbrach die Serie.
Anfangs genoss das junge Paar vor allem, dass die kleinen Kinder nie als Störfaktor wahrgenommen wurden, „wir konnten sie einfach laufen lassen und dennoch an den vielen Begegnungen, Impulsen, gemeinsamen Momenten mit anderen Gleichgesinnten teilnehmen“. Nach seinem heutigen Beweggrund gefragt, nicht nur jedes Jahr dabei zu sein, sondern sich auch seit vielen Jahren im Vorbereitungsteam zu engagieren, sagt Palta ganz schlicht: „Ich fahre jedes Jahr glücklich nach Hause.“ Das scheint den insgesamt vier Palta-Kindern, inzwischen junge Erwachsene, nicht viel anders zu gehen, denn sie sind größtenteils immer noch dabei.
Wo gibt’s denn sowas, dass junge Erwachsene mit ihren Eltern zusammen verreisen? „Sie treffen dort ihre Freunde“, lautet Paltas einfache Erklärung. „Wie wir auch.“ Oder sie bringen sie gleich mit: Schulkameraden, Nachbarskinder, Kommilitonen, die Erwachsenen laden Bekannte aus dem Ort oder Kollegen ein. Und weil alle das so machen, „sind immer wieder Neue mit dabei; hier ist jeder willkommen“, sagt Palta und spricht von einer Veranstaltung, „zu der man jeden einladen kann, egal ob er die Fokolar-Bewegung kennt oder nicht“. Diese Offenheit findet er so attraktiv: Ob fromm oder nicht-gläubig, katholisch oder evangelisch, jung oder alt, das spielt alles keine Rolle, „weil es um das Miteinander geht“. Zwar werde auch über Werte gesprochen, gemeinsame Gottesdienste werden angeboten, es gibt morgens einen Tagesimpuls, „aber wir leben vor allem gemeinsam“. Wie eine Familie eben. Niemand muss sich rechtfertigen, wenn er mal einen Programmpunkt auslässt.
Auch das ist Familie: Jeder fasst mit an, trägt zum Gelingen bei. Palta erzählt von einem Freund, der begeisterter Radfahrer ist. „Der hat direkt für das erste Treffen, bei dem er dabei war, eine Radtour ausgearbeitet – obwohl er sich in der Gegend überhaupt nicht auskannte.“ Jemand organisiert eine Kanu-Tour, jemand anderes bringt Material zum Filzen mit, ein anderer gestaltet einen Tagesimpuls. Bogenschießen, Nähen, Musizieren: Talente werden zu gemeinsamem Tun, bauen Gemeinschaft auf. Das ist dem Team wichtig. „Wir wollen so wenig Leistungen von außen ,einkaufen‘.“
Familie, dazu gehören nach klassischer Lesart Vater, Mutter und Kinder. „Irgendwann haben wir im Vorbereitungsteam aber gemerkt, dass es auch andere Lebensrealitäten gibt“, berichtet Palta. Ehen waren auseinander gegangen, und plötzlich kam nur noch einer der Partner mit den Kindern. Oder Großeltern brachten ihre Enkel mit. Es gab Patchwork-Familien, und auch Singles kamen zum Familientreffen. Kein Problem: „Als Vorbereitungsteam überlegen wir jedes Jahr, welches Thema für Familien gerade angesagt ist, was uns selber bewegt, und wir fragen auch die Teilnehmenden, welche Themen sie sich wünschen.“ Zeitdruck war da schon mal ein Schwerpunkt, Selbstwert, das Thema Nähe. „Es ist irgendwie auch eine christliche Familienbildung. Für viele sind gerade diese Tage ein wesentlicher spiritueller Impuls – und das gemeinsam als Familie“, sagt Palta.
Und inzwischen geht es eben auch darum, dass die jungen Erwachsenen sich wohlfühlen. Nicht zuletzt deshalb folgt dem gemeinsamen Grillen ein Lagerfeuer mit Stockbrot und dem Bunten Abend eine Party. Bis 1.30 Uhr. Dann ist – nach einem gemeinsamen Nachtgebet – Zapfenstreich.
Ein Programmpunkt ist allerdings unumstößlich: Das gemeinsame Spiel ohne Grenzen hat die Jahrzehnte überdauert. „Wir hatten schon mal überlegt, ob das wirklich noch zeitgemäß ist, aber alle wollten es behalten“, lacht Markus Palta. „Und eben besonders die Kinder und Jugendlichen.“ Gemeinsam spielen ist halt ein echtes Familiending. „Das hat ein bisschen Wettbewerbscharakter, aber viel wichtiger ist es auch dabei, gemeinsam etwas zu machen, Familie zu sein und zu erleben.“
Nicht nur im Norden Deutschlands gibt es ein solches Angebot der Fokolar-Bewegung für Familien. In Eppelheim bei Heidelberg lädt eine Equipe alle vier bis sechs Wochen ins Fokolar ein. „Das Angebot ist in erster Linie für Kinder und Jugendliche“, sagt Maria Kuschel. Aber die Eltern bleiben dann auch gerne nicht nur für das Mitbringbuffet und das gemeinsame Spiel, sondern nutzen anschließend die Zeit des Programms, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Derweil befassen sich die Kinder und Jugendlichen – nach Altersgruppen unterteilt – mit Themen aus der Bibel, mit dem Wort des Lebens oder auch aktuellen Themen. Wer kommt? „Die Treffen sind offen für alle. Manchmal werden einfach Freunde mitgebracht“, berichtet Maria Kuschel.
Der nächste Termin ist der „Tag der Fokolar-Familie“ am Samstag, 20. Juni, in Nussbach. Spielerisch geht es zu, auch bei der Beschäftigung mit Gedanken aus dem Evangelium; gelebte Gemeinschaft steht im Mittelpunkt, der Tag trägt den Titel „Binde deinen Karren an einen Stern“ (Leonardo da Vinci). „Jede und jeder ist willkommen und eingeladen, sich auf die je eigene Weise einzubringen“, sagt Maria Kuschel. Dazu gehört auch ein kulinarischer Beitrag zum Mittagessen.
Am 11. Juli wird im Fokolar in Eppelheim gegrillt, und nach einer Sommerpause geht es dann am 19. September weiter. Weitere Informationen gibt es unter heidelberg@fokolar.org.
Auch in der Schweiz, in Österreich und in der Eifel im mittleren Westen Deutschlands gibt es Wochenend-Angebote für die ganze Familie.