von Tina Rudert
Künftige politische Führungskräfte aus der ganzen Welt – darunter auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – arbeiten an Methoden, wie Politik geschwisterlich wird und Krisen lokal, regional und global löst. Ein Blick in eine Zukunftswerkstatt.
Geschwisterlichkeit ist mehr als ein Ideal, sie ist bereits Methode, ein Stil, tägliche Praxis: Zum Abschluss des ersten Jahres des politischen Schulungsprogramms „Eine Menschheit, ein Planet: Synodale Führung“ stellten das etwa 100 junge Erwachsene aus allen fünf Kontinenten in Rom bei einem kreativ-politischen Hackathon fest – ein lebendiges Laboratorium, ein Marathon der gemeinsamen Ideenfindung. [Anmerkung: Der Begriff Hackathon setzt sich zusammen aus Hack und Marathon; Programmierer und Hardwareentwickler erarbeiten fachübergreifend bei solchen Events gemeinsam innovative Lösungen]. Auch junge Erwachsene aus der französischsprachigen Schweiz, aus Österreich und Deutschland waren dabei.
Ziel war es, für die zuvor ein Jahr lang in 16 Lerngemeinschaften online analysierten Probleme – Korruption, soziale Ungleichheit, weit verbreitete Gewalt, digitaler Wandel ohne ethische Grundsätze, ökologische Notlagen, rückläufige Bürgerbeteiligung – jetzt konkrete politische Lösungsansätze, Prozesse und Instrumente zu erarbeiten.
Organisiert von der Neuen Gesellschaft, Nicht-Regierungsorganisation der Fokolar-Bewegung, dem Forum Politik und Geschwisterlichkeit der Fokolar-Bewegung und der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, soll das mehrjährige Programm künftige politische Führungskräfte dazu befähigen, sich geschwisterlich für Lösungen zu engagieren, die lokal, regional und global funktionieren. Dabei erlebten die Teilnehmenden in Rom, dass auch unterschiedliche Kulturen und politische Überzeugungen kein Hindernis für echte Geschwisterlichkeit sind, sondern Unterschiede zum Rohstoff der Zukunft werden können. Mit Unterstützung von Mentoren und internationalen Experten arbeiteten sie gemeinschaftlich an Lösungen, lernten die Gegebenheiten anderer Länder kennen und bauten Netzwerke auf.
Michelle Grandjean aus der Schweiz war eine der Mentorinnen. Die langjährige Abgeordnete im Kantonsparlament des Wallis (Grossrätin) schreibt: „Das Treffen mit den jungen Führungskräften der frankophonen Gruppe bei einem von Clémentine Dubuis am 30. Januar organisierten Essen ermöglichte es uns, diese jungen Menschen kennenzulernen, die ihre Lebensfreude und ihre Hoffnungen für die politische, wirtschaftliche und ökologische Zukunft ihrer jeweiligen Länder mit uns teilten. Wir wurden uns auch der Schwierigkeiten bewusst, die mit der Anreise und der Beschaffung von Visa verbunden sind, selbst um an einem einwöchigen Praktikum zum Abschluss der jährlichen Ausbildung dieser ersten Sitzung teilzunehmen. Tatsächlich erhielten mehrere junge Menschen leider keine Genehmigung, an dieser Woche teilzunehmen, wie beispielsweise Gracia aus Burundi.“
Ein Höhepunkt der Woche war die Audienz bei Papst Leo XIV., der den jungen Erwachsenen mit auf den Weg gab: „Ich ermutige euch, bei der Erforschung partizipativer Formen, die alle Bürger einbeziehen, immer mehr zusammenzuarbeiten.“ So sei es möglich, „jene universelle Geschwisterlichkeit aufzubauen, die sich bereits unter euch jungen Menschen als Zeichen einer neuen Zeit ankündigt“. Und auch die Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Margaret Karram, traf die Hackathon-Teilnehmenden und ermutigte sie, ihren Einsatz fortzusetzen, Wege der Einheit zu entwickeln, Verantwortung in ihrem politischen und sozialen Engagement zu übernehmen.
Die Übergabe der Teilnehmerzertifikate zum Schluss der Woche war mehr als eine offizielle Zeremonie: Sie war der Höhepunkt von Tagen, die von Dialog, Bildung und kollektivem Engagement geprägt waren. „Die Reise geht weiter“ hieß es am Ende.
Quellen: Reiner Pistner, Michelle Grandjean, Illes Hertwich, www.focolare.org, Instagram-Account focolare.org