Ökumenisches Frühstück in Lugano
Mitte Juni trafen wir uns im Haus der Fokolar-Gemeinschaft in Lugano zu einem ökumenischen Frühstück. Nichts Außergewöhnliches, könnte man meinen. Doch gerade das: Dass es ein so einfaches Treffen war, macht es so wertvoll. Anwesend waren Vertreter der katholischen, reformierten, christkatholischen (in Deutschland würde man sie altkatholisch nennen), anglikanischen und syrisch-orthodoxen Kirchen.
Man begrüßt sich, tauscht sich darüber aus, wie es gerade läuft und informiert sich über Neuigkeiten aus den jeweiligen Gemeinschaften. Dabei wird auch die neue Kaffeemaschine ausprobiert, die nun sehr gute Cappuccinos zubereitet. Zwischen den Tassen gab es viel zu lachen.
Oft spricht man von Ökumene und denkt dabei an Dokumente, offizielle Treffen oder gemeinsame Gottesdienste. Stattdessen ist vor allem eine Ökumene der Beziehungen von grundlegender Bedeutung. Wenn wir als Kirchen gemeinsam voranschreiten wollen, müssen wir zunächst lernen, einander als Menschen kennenzulernen, die kleinen Barrieren zu überwinden, die jeder in sich trägt, um eines Tages auch die kirchlichen Barrieren überwinden zu können, uns als Brüder und Schwestern zu entdecken – und es scheint, dass dies am besten konkret bei einem gemeinsamen Kaffee geschieht, in einem Gespräch am Tisch, wo es leichter ist, einander zuzuhören.
Nach dem Frühstück lasen wir gemeinsam das Wort des Lebens des Monats: „Geht euren Weg und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. [...] Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,7-8).
Anschließend ein reicher Austausch mit vielfältigen Akzenten: Einige gingen auf die einleitenden Worte „auf dem Weg“ ein: Man solle nicht darauf warten, bereit, perfekt oder selbstbewusst zu sein, sondern sich so auf den Weg machen, wie man ist.
Andere reflektierten über die Unentgeltlichkeit: Dabei kamen auch persönliche Erfahrungen zur Sprache, die von Begegnungen und dem Geben und Nehmen erzählten.
An einem bestimmten Punkt des Frühstücks schlug Daniele – so würde ich ihn in der vertrauten Atmosphäre des Frühstücks nennen – der reformierte Pfarrer Daniele, vor, ein Foto zu machen, um es dem Bischof von Lugano zu schicken und zu zeigen, dass Ökumene nicht nur in formellen Begegnungen lebt. Sie lebt noch besser am Frühstückstisch: So wachsen Freundschaften, und Unterschiede machen keine Angst mehr.
Beitrag von Pfarrerin Elisabetta Tisi, Gemeinde der Christkatholiken (Altkatholiken) in Lugano