Warum Brüche im Leben positiv sein können
von Tina Rudert
Das Augsburger Friedensfest vom 24. Juli bis zum 8. August steht unter dem Motto Un_Sicherheit. Auch Lebensbrüche sorgen für Unsicherheit. Dabei nicht stehen zu bleiben, sondern das Licht zu entdecken, das sich durch die Brüche Zutritt zum Leben verschafft, dazu lud die Fokolar-Bewegung ein. Sie hatte den Titel eines Songs von Leonard Cohen als Überschrift ihres fünftägigen „Sommers in Augsburg“ im Rahmen des Friedensfestes gewählt: „There is a crack in everything, that’s how the light gets in“.
Ein kurzer Impuls – zum Beispiel über Brüche im Leben, die aus psychologischer Sicht für persönliche Entwicklung notwendig sind, über die Sicht des Islams und des Christentums auf das Thema Beziehungen, über Brüche in der Gesellschaft, über Einsamkeit, Alleinsein und Gemeinschaft, über Kommunikation und Konflikte – war der Anfang. Dann folgte ein Gespräch über den Impuls am Tisch mit Bekannten, aber auch Fremden. Diese Gespräche waren so persönlich und intensiv, dass hier und da auch Tränen flossen, wie eine Teilnehmerin berichtet. Gemeinsames Tun gehörte immer dazu. Was positiv ankam. So äußerte jemand, er habe sich willkommen und angenommen gefühlt.
Eine solche Aktion waren Ausflüge, eine andere gemeinsames Puzzlen an den Tischen. Vorne zeigten die Puzzles schöne Bilder, auf den Rückseiten erklärten sie den Begriff Mariapoli – Stadt Mariens, wie die Sommertreffen der Fokolar-Bewegung heißen und zu denen der „Augsburger Sommer“ gehört. Ein Puzzle beschrieb die Lebensregel in dieser Stadt: die gegenseitige Liebe, wie Jesus sie im Evangelium verkündet. Andere gingen auf die Entstehungsgeschichte der Mariapolis ein. Und auch Infos, seit wann es die Stadt-Mariapoli „Augsburger Sommer“ gibt, wurden geliefert: Sie fand zum dritten Mal im Zusammenhang mit dem Hohen Friedensfest statt.
Wie eng Hohes Friedensfest und Fokolar-Bewegung verknüpft sind, zeigt sich an mehreren Stellen. Die Gründerin der Fokolar-Bewegung Chiara Lubich hat 1988 den Friedenspreis der Stadt Augsburg in Empfang genommen. Die Fokolar-Bewegung engagiert sich in verschiedenen Netzwerken in der Stadt, die im Zusammenhang mit dem Hohen Friedensfest entstanden sind. Dazu gehören die Vesperkirche, eine Einladung an Menschen mit geringem Einkommen zum gemeinsamen Mittagessen mit Menschen aller Gesellschaftsschichten, die Aktion Punkt 7, ein ökumenisches Friedensgebet am siebten Tag jeden Monats, und der interreligiöse Runde Tisch, der sich beim Hohen Friedensfest jetzt mit zum Teil sehr persönlichen Berichten über das Engagement für das Miteinander in der Stadt vorstellte. Die vielen Netzwerke, die dabei sichtbar wurden, setzten Hoffnung frei und zeigten Perspektiven auf.
„Die Tage hatten eine Tiefe und eine Leichtigkeit zugleich“, erzählt jemand vom Vorbereitungsteam und nennt als einen zentralen Programmpunkt das interreligiöse Friedensgebet mit Vertretern sämtlicher in Augsburg beheimateter Religionen und Konfessionen am Vorabend des Hohen Friedensfestes. „Dabei sieht man sehr gut, dass die Menschen auf der Bühne im Laufe der Jahre Freundschaft geschlossen haben, da sieht man echte Beziehungen.“ Und dann die große Friedenstafel vor dem Augsburger Rathaus: „Da teilt wirklich jeder mit jedem, man lernt neue Leute kennen“, es sei ein lebendiger und kommunikativer Vormittag gewesen. Das Friedensfest endet an diesem Tag, der "Sommer in Augsburg" einen Tag später. Alle Teilnehmenden haben die Hoffnung und Zuversicht, dass diese Erfahrung des Friedens weiter ausstrahlt: in die Gemeinschaften, die Stadt, die Welt.
Eine kurze Zusammenfassung des „Sommers in Augsburg“ liefert dieses YouTube-Video.