"Wir sind bereits die Gegenwart von Europa"

ein Beitrag von Daniel Scullion und Beatriz Lauenroth

Ein Generationenpakt, der junge und ältere Generationen zu einer aktiven, partnerschaftlichen Zusammenarbeit für Europa verpflichtet, war Höhepunkt: 120 junge Menschen aus ganz Europa nahmen Mitte Mai am Treffen des ökumenischen Netzwerkes „Miteinander für Europa“ (MfE) in Brüssel teil. Dort diskutierten Vertreter aus gut einem Dutzend christlichen Gemeinschaften und Bewegungen über die Zukunft der kontinentalen Einheit. Feierlicher Höhepunkt war ein direkter Dialog mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments.

Der Generationenpakt: Engagement statt Konflikte

Angèle Mulibinge Kaj, Mitbegründerin der Initiative Ut Omnes, betonte: „Der Generationenpakt ist kein Zündstoff für Konflikte, sondern die Suche nach Allianzen. Keine Generation ist sich selbst genug; Europa kann nicht von wenigen allein aufgebaut werden.“ In einem Appell an die Politik forderte sie: „Partizipation darf kein Schlagwort bleiben – sie muss verbindlich und kontinuierlich werden. Wir jungen Menschen warten nicht auf die Zukunft: Wir sind bereits die Gegenwart Europas.“

Daniele Scamardi (LUMSA-Universität Rom) ergänzte mit Blick auf die kommenden Aufgaben: „Ich möchte Worte in konkrete Beiträge verwandeln. Unser Ziel für das nächste Jahr ist es, eine noch aktivere Rolle einzunehmen – vom Zuhörer zum Mitgestalter der Organisation.“

Der junge Rumäne Luca Paul Ciobotaru fügte hinzu: „Ich bin glücklich über die vielen Befürworter eines vereinten Europas. Dass sich Christen hier so klar gegen autoritäre Tendenzen und für die Verteidigung von Freiheit und Pluralismus aussprechen, ist ein starkes Signal. Ich hoffe, dass unser Beitrag dazu führt, die demokratische Basis Europas weiter zu stärken.“

Wurzeln der Integration: Kultur, Geschichte und Spiritualität

Bereits zu Beginn der Tage setzten die Teilnehmenden auf interkulturellen Austausch. Ein Abend mit Folklore und ein Besuch im Haus der Europäischen Geschichte verdeutlichten das gemeinsame Erbe des Kontinents. In drei thematischen Workshops wurde die inhaltliche Basis erarbeitet:

  • „Hoffnung für Europa“: Unter der Leitung von Gerhard Proß (CVJM Esslingen-Deutschland), Cezara Perian (Fokolar-Bewegung Rumänien) und dem ehemaligen slowakischen Premierminister Eduard Heger wurde untersucht, wie der christliche Glaube schon den Gründervätern der heutigen EU Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi als Inspiration diente und wie Versöhnung heute Einheit stiften kann.
  • „Die Berufung Europas“: Sr. Nicole Grochowina (Christusbruderschaft Selbitz-Deutschland) und P. Hans-Martin Samietz (Schönstatt-Bewegung- Deutschland) diskutierten mit den Teilnehmern über die „Seele Europas“ und die Verantwortung des Kontinents in der Welt.
  • „Die Macht der Jugend“: Dieser Workshop widmete sich dem Empowerment (Übertragung von Verantwortung und Ermächtigung) junger Generationen und wurde von Alberto Lo Presti (LUMSA-Universität Rom), Jeff Fountain (Schuman Center for European Studies, Amsterdam) und Jančík Luboš, dem ehemaligen slowakischen Staatssekretär im Finanzministerium, geleitet.
Dialog auf Augenhöhe mit dem EU-Parlament

Am Abschlusstag standen die Jugendlichen im Mittelpunkt eines dreistündigen Austauschs im Europäischen Parlament. An der Debatte nahmen unter anderem teil die Abgeordneten Andrea Wechsler (Deutschland), die die Gruppe gastfreundlich empfing, Antonella Sberna (Italien), zuständig für den Dialog nach Artikel 17, die die Bedeutung der generationenübergreifenden Verbindungen betonte, Leoluca Orlando (Italien), der an die Notwendigkeit erinnerte, von der Unabhängigkeit zur Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit) überzugehen und Miriam Lexmann (Slowakei), die den Wert der Menschenwürde im Kampf gegen Autoritarismus hervorhob.

Das Treffen und die Unterzeichnung des Generationenpakts waren mehr als ein Festakt. Es war die lebendige Erfahrung eines Paktes, der das Christentum als Motor der Versöhnung begreift – ein Motor, der Europa belebt, indem er menschliche Beziehungen und Werte über rein bürokratische Vorschriften stellt.


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