Wort des Lebens für Februar

„Gott spricht: Siehe ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)


            Gott spricht. Tut es jetzt, in der Gegenwart des Augenblicks. Gott spricht hinein in eine Welt, die zerrissen ist. Die mit sich selbst Krieg führt. Menschen gegen Menschen, Kulturen gegen Kulturen, Menschen gegen die Natur.

            Ich nehme wahr, dass diese schwer auszuhaltende Schieflage der Welt in vielen Menschen eine tiefe innere Sehnsucht weckt: den Wunsch, zurückzugehen zu einem konfliktärmeren Zustand, in dem die Welt scheinbar „noch in Ordnung war“. 

            Denn wir leben in einer gesellschaftlichen Phase, in der es weniger Schwarz-Weiß gibt als früher. Es gibt oft nicht das eine klare „Richtig“ und das eine klare „Falsch“. 

Wir erlauben uns, vieles infrage zu stellen - und das könnte eine völlig neu gewonnene und erlebbare Freiheit sein, wird aber für viele zu oft zur Überforderung. Wir möchten lieber wissen, was richtig ist, als es selbst herauszufinden.

            Deshalb – und das ist jetzt mein persönlicher Eindruck – entscheiden sich Menschen gegen diese Freiheit, weil sie ihnen fremd ist und bedrohlich erscheint. Sie wählen ein „America First“, in dem man sich wieder mehr um das eigene vertraute Selbst dreht. Sie wollen weniger Fremde im eigenen Land, weil sie sich sonst selbst fremd fühlen. Oder sie empfinden die Vielfalt an sexuellen Orientierungen nicht als Chance, sich selbst zu verwirklichen, sondern als Bedrohung der eigenen Identität. 

            Wenn wir das Vertraute wählen, fühlen wir uns sicher. Denn hier kennen wir uns aus. Vielleicht wünschen sich deshalb viele Menschen eine Art Rückbesinnung auf früher allgemeingültige Werte.

            Zu uns allen, hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Überforderung durch das Fremde, spricht Gott jetzt: „Siehe ich mache alles neu.“


            Aber was bedeutet „neu“?


            Und jetzt möchte ich das teilen, was ich so faszinierend an diesem „Wort des Lebens“ finde. Denn „neu“ ist das Gegenteil von „bewahren“ oder Zurückbesinnung auf Vertrautes. „Neu“ bedeutet „zukunftsorientiert“, es bedeutet „anders“, vielleicht ganz anders, als wir es uns je hätten vorstellen können. Und Gott geht noch weiter, macht es so deutlich, wie es nur geht: „Siehe ich mache alles neu.“ Ohne Ausnahme. Alles. Und Gott will, dass wir es sehen.

            Was Gott sich für uns wünscht, ist revolutionär! So wie die Liebe auch absolut revolutionär ist, blickt man auf einen Trump, einen Putin, Kriege und Missstände. Ich glaube, das will Gott uns sagen: Das, was Gott ist, und was er sich für uns wünscht, ist eben ganz anders! Es ist ein Miteinander, eine völlig neue Art des Zusammenlebens und Probleme-Lösens. Ein ganz anderer Ansatz als der, den unsere Welt so oft verfolgt. Und das bedeutet eben auch, dass er uns erstmal fremd ist.


            Was also wollen wir daraus machen?


            Man könnte zu dem Schluss kommen, dass wir jetzt die Füße hochlegen können. Denn Gott scheint ja „eh zu machen“. Er sagt, er mache alles neu – na, dann los!

            Gerade deshalb finde ich es wichtig, den Aufruf Gottes hinter diesem Satz zu erkennen, denn Gott sagt, er ist der Weg, die Wahrheit, das Leben und auch das Licht. Wir müssen den Weg am Ende auch gehen. Es reicht nicht, ihn nur zu kennen. 

            Es ist schön zu wissen, dass dieser Weg neu ist, dass er anders ist als das Leid, das wir in der Welt sehen und das uns bedrückt. Das mag uns trösten. Aber es bedeutet vor allem eben auch, dass wir gefragt sind: mutig zu sein, Dinge auszuprobieren, Neues zu wagen!

            Die Dinge, vor denen wir heute noch Angst haben, weil sie uns fremd sind, sind vielleicht die, die morgen ganz selbstverständlich Teil des Weges sind; vielleicht auch nicht, aber Gott regt uns an, sie erst einmal so zu betrachten.

            Ich glaube, wir sind oft überheblich und denken, wir würden das Ziel schon kennen. Dabei vergessen wir, dass nur Gott vom Ende her denken kann: So, wie alles sein wird und auch heute schon bei uns sein könnte. Dies ist auch der Blickwinkel der „Offenbarung“, dem letzten Buch der Bibel, aus dem unser „Wort des Lebens“ stammt. Wir hingegen können nur vom Jetzt aus denken, aus dem „Ist-Zustand“ heraus: Was können wir heute wagen, um uns im Leben auf den Weg zu einem Himmel zu machen, den Gott uns schenken möchte?

            Dieser Himmel ist nicht der Ort, der zwangsläufig erst nach dem Tod beginnt. Dieser Himmel ist der Zustand, der vollkommen anders ist als alles, was uns quält. Er ist vollkommen neu. 

Simon Deregowski, Köln

 

 

 

                © Alle Rechte an der deutschen Übersetzung beim Verlag NEUE STADT, München

                Das „Wort des Lebens“ erscheint auch in der Zeitschrift NEUE STADT. Eine kostenlose Probenummer oder ein Abonnement (jährlich € 49,- bzw. CHF 66.90) können Sie bestellen bei: Redaktion NEUE STADT, Hainbuchenstraße 4, 86316 Friedberg, redaktion@neuestadt.com oder bei Verlag Neue Stadt, Heidengasse 5, 6340 Baar, verlag@neuestadt.ch


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