Räume des Dialogs öffnen zwischen Osten und Westen
Klaus-Hemmerle-Preis in Aachen an Wiener Stiftung PRO ORIENTE verliehen
Festliche Kammermusik im gut gefüllten Aachener Dom, eine lange Gästeliste und warmherzige Umarmungen zwischen den angereisten Ehrengästen und Gastgebern:
Zum 12. Mal verliehen Verantwortliche der Fokolar-Bewegung heute im Aachener Dom den Klaus-Hemmerle-Preis. In diesem Jahr ging die undotierte Auszeichnung erstmals nicht an eine Einzelperson sondern ehrt die international tätige Stiftung Pro Oriente, die ihren Sitz in Wien hat.
Der katholische Ortsbischof Helmut Dieser aus Aachen unterstrich die Bedeutung des Preises und die Wahl des Preisträgers als wichtiges Signal für Zusammenarbeit und für gemeinsames Arbeiten im Dienst der Versöhnung. „Das Zeugnis Ihres Wirkens seit über 60 Jahren hat sich beileibe nicht erledigt. (…) Es wird sich als Beispiel und Anstoß erweisen, die Mauern, (…) die gegenseitigen Abgrenzungen ständig zu hinterfragen und schließlich erneut zur Überwindung beizutragen.“
Bischof Evmenios von Lefka aus Aachen sprach in Vertretung des griechisch-orthodoxen Metropoliten von Deutschland Augustinos und erinnerte als langjähriger Freund und Weggefährte des früheren Bischofs von Aachen an den Namensgeber des Preises. Mit seiner authentischen Freundlichkeit und seiner großen menschlichen Wärme habe Hemmerle immer wieder Trennendes verbunden und Brücken zwischen Menschen gebaut. Und das sei es, was auch die Preisträger auszeichne und verbinde: ihr „lebendiges Zeugnis von Menschlichkeit, Geschwisterlichkeit und aufrichtiger Versöhnung“.
Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen nahm im verlesenen Grußwort ebenfalls Bezug auf Klaus Hemmerle und dessen Einsatz für die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Er gratulierte zur Wahl des diesjährigen Preisträgers, der Stiftung Pro Oriente, die einen „wichtigen Beitrag für die weltumspannende Gemeinschaft von Christinnen und Christen leiste“.
Bundestagsabgeordneter Sascha van Beek drückte seine Wertschätzung aus für das jahrzehntelange Engagement der Stiftung, die Räume für Dialog zwischen Ost und West schaffe – leise, beharrlich und verlässlich. Sie zeige damit „Versöhnung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Zuhören, durch Vertrauen und durch Geduld“.
Fokolar-Präsidentin Margaret Karram ermutigte in ihrer verlesenen Grußbotschaft dazu, weiterhin besonderes Augenmerk auf die junge Generation zu legen, „damit sie zu Baumeistern einer authentischen Ökumene werden und Wege der Versöhnung und Zusammenarbeit in den verschiedenen religiösen, lokalen und globalen Kontexten aufzeigen können“.
In seiner Laudatio hob Metropolit Job von Pisidien, der als Vertreter des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel der Stiftung schon lange freundschaftlich verbunden ist, die vielfältigen Aktivitäten und Dialoginitiativen der Stiftung hervor. Die in Wien gegründete Stiftung sei ein „Leuchtturm des theologischen Dialogs zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und den Orthodoxen und Orientalisch-Orthodoxen Kirchen“. Besonders unterstrich er die Bedeutung der ökumenischen Workshops und Foren des Austauschs für junge Menschen. Gerade die Initiativen im Nahen Osten und in der Ukraine trügen dazu bei „die Verzweiflung und Zersplitterung in Hoffnung, Zugehörigkeitsgefühl und ein gemeinsames Engagement für das Gemeinwohl umzuwandeln“. Diese Aufmerksamkeit, die Pro Oriente der jüngeren Generation widme, berühre und freue ihn besonders. Er zitierte dazu den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus, der kürzlich in seiner Weihnachtsbotschaft bekräftigt habe: „Die Verantwortung, die Bemühungen der Pioniere der ökumenischen Bewegung fortzusetzen und ihre Vision und Arbeit zu rechtfertigen, liegt bei der jüngeren Generation der Christinnen und Christen“.
Er dankte den Engagierten der Stiftung, dass sie „seit über sechzig Jahren Brücken zwischen Ost und West bauen und so Menschen, insbesondere die junge Generation der verschiedenen Kirchen miteinander verbinde“.
Der Präsident der Stiftung Pro Oriente, Botschafter i.R. Dr. Clemens Koja dankte im Namen der Stiftungsleitung für den Preis und auch für die Worte des Laudators. Der Preis sei eine Ermutigung, „Räume des Dialogs zu öffnen, wo sichtbare oder unsichtbare Grenzen Menschen aus den verschiedenen Kirchen daran hindern, einander als Schwestern und Brüder im Glauben wahrzunehmen“.
Auch den Ort der Verleihung bezeichnete er als symbolisch und bedeutungsvoll. Schon die Architektur des Doms, das Oktogon verweise auf eine Zeit, „als die Kirchen in Ost und West noch geeint waren“.
Schließlich versicherte er, die Stiftung Pro Oriente nehme den Preis auch als Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen „insbesondere mit den jungen Menschen in den Kirchen des Ostens und des Westens“. Es gelte, gemeinsam mit allen „Zeuginnen und Zeugen für die Botschaft der Nächstenliebe, der Vergebung und der Versöhnung zu sein“.
Die Fokolar-Bewegung in Deutschland hat zum zehnjährigen Todestag von Klaus Hemmerle 2004 einen Preis gestiftet, mit dem sie alle zwei Jahre Personen ehrt, die sich im Sinne des Aachener Bischofs als Brückenbauer ausgezeichnet haben und sich für den Dialog zwischen Kirchen, Religionen und Weltanschauungen engagieren. Der Preis ist undotiert und soll das vielfältige Engagement für Dialog und Verständigung in Kirchen, Religionen und in der Gesellschaft ins Licht rücken.
Bisherige Preisträger waren der inzwischen bereits verstorbene jüdische Professor Dr. Ernst-Ludwig Ehrlich (2004), der ebenfalls inzwischen verstorbene ehemalige Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof i. R. Dr. Christian Krause (2006), der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel (2008), Dr. Alfons Nossol, der emeritierte Erzbischof von Oppeln/Polen (2010), Prof. Dr. Hans Maier, der ehemalige bayerische Kultusminister und langjährige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (2012), die verstorbene Lepraärztin Dr. Ruth Pfau (2014), die muslimische AIDS-Ärztin Dr. Noorjehan Abdul Majid aus Mosambik (2016), der verstorbene Rabbiner Dr. Henry Brandt aus Augsburg (2018), der verstorbene orthodoxe Erzbischof Anastasios Yannoulatos von Albanien (2020), 2022 die ehemalige polnische Ministerpräsidentin Prof. Dr. Hannah Suchocka und 2024 der kanadisch-tschechische Kurienkardinal Michael Czerny (SJ).
Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 80 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten. Ihr Ziel ist, den Geist der Einheit und Geschwisterlichkeit verstärkt in Kirche und Gesellschaft und in alle Bereiche des menschlichen Lebens hinein zu tragen.